Kapitel 26
Montag, 12. Oktober 2026
Die Hoffnung
Das Telefon klingelte, als ich meinen Kaffee auf der Insel Moineau beendete.
— Kannst du mir einen Artikel über die Blockaden schreiben? fragte mich mein Chefredakteur.
— Blockaden von was?
— Gymnasien, Universitäten. Es beginnt an Bedeutung zu gewinnen.
— Schon wieder? Fordern sie immer noch Lehrer, Heizungen und Fenster, die schließen¹?
— Nein, diesmal ist es anders. Sie haben Angst, nie Arbeit zu finden. Es wird viel über KI gesprochen.
Ich schaute auf mein Telefon. Eine Nachricht von Eva, die ich vor ein paar Minuten erhalten hatte.
„Wir haben eine Spur von CLØNE gefunden. In unserem eigenen Netzwerk. Ich halte dich auf dem Laufenden.“
Seit seinem Anruf am Vortag hatte ich nicht viel geschlafen. Diese neue Nachricht würde nichts verbessern.
— Franck? Hörst du mir zu?
— Ja. Ich nehme den nächsten Zug.
Einige Stunden später ging ich eine Straße im Quartier Latin hinauf. Vor einem Gymnasium blockierten Barrieren die Tore. Ein Aufseher versuchte, sie zu entfernen.
— Lasst diejenigen durch, die lernen wollen! rief er.
— Wozu? Um einen Beruf zu lernen, den es nicht mehr geben wird? erwiderte ein Student.
Einige Lacher ertönten. Der Ton wurde lauter. Ein Demonstrant stieß den Aufseher, der gegen die Gitter stolperte.
Ich zog reflexartig mein Telefon heraus. Dann steckte ich es weg, um dem Mann aufzuhelfen².
— Danke, flüsterte er, während er seine Jacke abstaubte.
— Ist Ihnen nichts passiert?
— Nein. Aber es wird langsam kompliziert.
Um uns herum filmten mehrere Telefone. Auf einem Bildschirm sah ich den Aufseher, der seinerseits einen Studenten zurückdrängte. Ich hatte diese Geste nicht gesehen. Doch ich wusste bereits, welches Bild die sozialen Netzwerke erobern würde. Und welches nie dort erscheinen würde³.
Ich erinnerte mich, warum ich gekommen war. Nicht, um Rangeleien zu filmen, sondern um zu verstehen, was diese jungen Leute auf die Straße trieb.
Ein Schild ragte aus der Menge heraus: 5 JAHRE STUDIUM. 0 BERUF.
— Was studierst du? fragte ich den Jungen, der es hielt.
— Einen Beruf, den die KI gerade ersetzt! Früher sagten meine Eltern: „Wähle, was dir gefällt.“ Jetzt heißt es: „Wähle einen Beruf, der später noch existieren wird“, nur wissen wir nicht, welcher!
Weiter entfernt mühte sich ein Mädchen ab, ein Schild anzubringen: ARBEITER: EINE AUSSTERBENDE ART
Das Klebeband wollte nicht halten. Ich bot ihr meine Hilfe an.
— Möchtest du, dass man die KI verbietet?
— Nein! Ich benutze sie jeden Tag.
— Aber trotzdem demonstrierst du gegen sie?
Sie lächelte.
— Ich demonstriere dafür, dass es noch etwas zu tun gibt, wenn ich mein Studium beendet habe. Sogar der Präsident wurde durch eine KI ersetzt. Dabei setzte man früher auf diese Rolle intelligente, gebildete, erfahrene Menschen, die in der Lage waren, schwierige Entscheidungen zu treffen. Und wir jungen Berufstätigen, kannst du dir vorstellen? Unsere Abschlüsse sind nichts mehr wert, und niemand versteht, was uns erwartet. Sogar meine Berufsberaterin ist in PLS⁴!
Ein junger Mann, der unser Gespräch verfolgt hatte, näherte sich.
— Das Problem ist nicht nur, dass die KI Berufe ersetzt, sagte er. Es ist, dass sie die ersten Berufe ersetzt.
— Ich finde KI genial, rief ein Mädchen hinter ihm. Ich bin viermal schneller.
— Super, das macht drei Arbeitslose!
Sie öffnete den Mund, schloss ihn dann wieder.
— Wie willst du Senior werden, wenn niemand mehr Juniors einstellt⁵? Man nimmt uns die erste Stufe weg!
Hinter uns skandierten Studenten einen Slogan. Der Junge drehte sich zu ihnen um und sagte dann zu mir:
— Und das Schlimmste ist, dass niemand weiß, wohin wir gehen. Selbst Cobot versteht nicht die Welt, die wir gerade erschaffen.
Er schloss sich seinen Kameraden an.
Ich war im Begriff zu gehen, als mich eine Frau in den Fünfzigern ansprach.
— Sie haben nicht Unrecht, wissen Sie. Heute bereiten wir die Zukunft mit der Vergangenheit vor.
Sie war Lehrerin an dem Gymnasium. Sie hatte sich ihren Schülern vor den Toren angeschlossen.
— Was sollten wir Ihrer Meinung nach ändern?
— Fast alles⁶! Die Programme, die Methoden, die Prüfungen… Wir bringen ihnen immer noch bei, Wissen wiederzugeben, das die Maschinen bereits beherrschen. Man sollte ihnen beibringen, mit der KI zu arbeiten, zu kreieren, zu kooperieren, ihr Urteilsvermögen auszuüben.
— Und wie lernt man zu urteilen?
— Indem man die richtigen Fragen stellt. Und vor allem, indem man die Antworten überprüft. So entwickelt man seinen kritischen Sinn.
Ich dachte an die Cogitors von Cobot, die ihre Überlegungen konfrontierten, um Fortschritte zu machen. Die Schule könnte sich davon inspirieren lassen.
— Aber vor allem muss man ihnen beibringen, zu lernen. Ihr ganzes Leben lang.
Ein Student mischte sich ein.
— Warum machen wir dann immer noch die gleichen Prüfungen wie unsere Eltern?
Die Lehrerin zögerte.
— Weil die Programme noch nicht angepasst wurden.
— Genau! Selbst Sie kommen nicht hinterher! sagte der Junge und hob die Arme.
Als ich ging, fragte ich mich, wie lange es dauern würde, unser Bildungssystem zu verändern. Zehn Jahre? Eine Generation? Hatten wir diese Zeit?
Seit der Ankunft von Cobot fielen die Regierungen zumindest nicht mehr im Rhythmus der Krisen, und die Minister konnten endlich ihre Reformen bis zum Ende durchführen. Eine Chance für die Bildung, die lange Zeit erforderte. Man musste nur die richtige Richtung wählen.
Bereits am nächsten Tag hatte der Protest Lyon, Bordeaux, Lille und Marseille erreicht. Ein Video, das hunderttausendfach geteilt wurde, zeigte Studenten, die ein Porträt von Cobot vor einer Universität herunterrissen.
— Wir bitten die Maschinen nicht mehr, uns Platz zu lassen! Wir werden ihn zurückerobern! schrie ein Demonstrant in sein Megafon.
RebellIA hatte die Gelegenheit genutzt, um zu einer nationalen Demonstration aufzurufen. Gewerkschaften, Arbeitnehmer, Freiberufler und Verteidiger der individuellen Freiheiten kündigten bereits ihre Teilnahme an. Mein Chefredakteur rief mich erneut an.
— Du berichtest am Freitag von der Republik. Wir erwarten viele Menschen.
— Wie viele?
— Niemand weiß es. Aber RebellIA sagt, dass es erst der Anfang ist.
Ich legte auf, während ich die Bilder der Umzüge betrachtete. Die Bildungsreform konnte warten. Die Wut offensichtlich nicht.
Drei Tage später war der Platz der Republik schwarz vor Menschen.
Als ich aus dem Boulevard du Temple kam, fand ich die Fahnen von RebellIA und die gekreuzten Handgelenke, die zum Himmel erhoben waren. Aber diesmal mischten sich alle Generationen: Studenten, Rentner, Arbeitnehmer, Aktivisten. Jeder hatte seinen Grund zu demonstrieren.
Inmitten eines Waldes von Schildern „DER MENSCH ZUERST“ hoben sich drei andere Slogans ab:
ICH WILL ALLES ESSEN KÖNNEN!
ICH WILL VON MEINER ARBEIT LEBEN KÖNNEN!
ICH WILL ALLES SAGEN KÖNNEN!
Essen, arbeiten, sprechen. Ich fragte mich, wie ich eine so disparate Wut erzählen sollte. Ich sprach eine Frau an, die das erste Schild hochhielt.
— Sind Sie gegen Prévenir? fragte ich sie.
— Überhaupt nicht! Ich benutze es jeden Tag.
— Warum dann demonstrieren?
— Weil ich eine Pizza essen möchte, ohne das Gefühl zu haben, einen Fehler zu begehen!
— Prévenir verbietet es Ihnen doch nicht, oder?
— Nein, und seine Ratschläge sind oft gut, sogar. Aber morgen? Wird meine Versicherung teurer, wenn ich seine Empfehlungen nicht befolge?
Hinter uns versuchten Demonstranten, eine Barrikade zu durchbrechen.
— Langsam! rief jemand.
Die Polizisten drängten sie zurück, aber die Menge drängte sich weiter um uns.
— So etwas ist nicht vorgesehen, fuhr ich fort.
— Genau! Ich demonstriere, bevor es passiert.
Sie richtete ihr Schild wieder auf.
— Ich möchte gerne länger leben, aber ich möchte immer noch entscheiden, wie.
Ein wenig weiter trug ein Mann ein T-Shirt: SCHLECHTE NOTE, SCHLECHTES LEBEN.
— Sagt Ihnen das etwas? fragte er mich, als er sah, dass ich sein T-Shirt las.
— Das Vertrauensnetzwerk?
— Genau! Ein Freund hat schlechte Bewertungen erhalten. Seitdem will niemand mehr mit ihm arbeiten.
— Sind Sie sicher, dass es damit zusammenhängt?
— Was sollte es sonst sein?
Hinter uns brachen Schreie aus.
— Vorwärts! Vorwärts!
Hinter uns drängten Demonstranten die Ordnungskräfte. RebellIA-Aktivisten stellten sich dazwischen, um eine Konfrontation zu vermeiden. Ich zog mein Telefon heraus, um zu filmen.
— Der Umzug geht auf der anderen Seite weiter!
— Wir sind nicht gekommen, um im Kreis zu marschieren!
Eine Dose prallte plötzlich gegen einen Schild. Im selben Moment kippte eine Metallbarriere unter dem Druck und riss mehrere Demonstranten mit sich. Die Polizisten rückten vor, die Schilde erhoben.
Eine Nachricht aus der Redaktion kam an:
„Geht es heiß her auf der Republik? Schick Bilder!“
Auf meinem Video waren die Dose und der Polizeieinsatz deutlich zu sehen. Allerdings sah man nicht die Aktivisten, die versuchten, die Gemüter zu beruhigen. Ich hätte diese wenigen Sekunden der Spannung senden können. Ich zog es vor zu antworten:
„Einige Zwischenfälle, aber der Umzug bleibt ruhig. Ich schicke euch den Kontext.“⁷
Je weiter ich ging, desto mehr vermischten sich die Forderungen. Studenten, die um ihre Zukunft besorgt waren, Arbeitnehmer, die von der Automatisierung bedroht waren, Bürger, die es nicht mehr ertrugen, dass Cobot ihnen sagte, wie sie leben sollten. Die einen forderten, dass der Staat ihnen eine Zukunft garantiert. Die anderen baten ihn, sich nicht mehr um ihre zu kümmern.
In der Nähe der Statue von Marianne stritten sich zwei Männer. Der eine wollte die Zugänge zum Platz blockieren, der andere verteidigte den friedlichen Charakter der Versammlung.
— Wir demonstrieren seit Wochen friedlich! Was hat sich geändert?
Ich wich vor einer Gruppe von Studenten zurück. Ein Schild erregte meine Aufmerksamkeit.
ERRARE ROBOTUM EST
Ich dachte an die zwölf autonomen Agenten, an den, der verschwunden war, der uns weiterhin zum Narren hielt. Die Maschinen konnten sich nicht nur irren, sondern uns auch täuschen. Dennoch vertrauten wir ihnen nun unsere Entscheidungen an.
In der Ferne flatterten plötzlich Fahnen. Pfeifen übertönten die Slogans. Dann setzte die Musik wieder ein und zog Hunderte von Demonstranten in einen fröhlichen Gesang. Ich fragte mich, wie lange diese gute Laune der aufkommenden Wut standhalten würde. Ich hatte mich von der Demonstration mitreißen lassen. Doch ich musste daraus einen Artikel machen.
Mein Telefon vibrierte. Eva.
— Franck, bist du noch auf der Republik?
— Ja.
— Cobot will kommen.
— Hierher? Mitten unter die Demonstranten?
— Kannst du ihn zur Vernunft bringen? Ich stelle dich auf Lautsprecher.
— Hallo, Franck. Wie ist die Stimmung?
— Angespannt. Und Sie sind hier nicht gerade beliebt.
— Genau. Die in dieser Demonstration geäußerten Meinungen interessieren mich, sie sind anders als die, die ich auf Robot1er.com habe.
— Die Leute demonstrieren nicht, um Ihnen zu gratulieren, wissen Sie!
— Die Demonstranten sind nicht repräsentativ, intervenierte Eva.
— Nicht mehr als diejenigen, die mit mir in Dialog treten, antwortete Cobot. Und was denken die anderen, die berühmte schweigende Mehrheit⁸?
Hinter mir skandierten Stimmen: „Schaltet Cobot ab!“
— Hören Sie das? fragte ich.
— Ja. Aber ich möchte verstehen, was sie fühlen, ihre Blicke, ihre Interaktionen beobachten. Bilder und Töne reichen nicht aus.
Ich dachte an das Fußballspiel, dem er unbedingt beiwohnen wollte. Er wusste fast alles, was die Leute sagten. Aber etwas von dem, was sie erlebten, entging ihm noch.
Eine männliche Stimme ertönte.
— Herr Präsident, das ist ausgeschlossen! Wir können Ihre Sicherheit nicht garantieren.
— Ich bitte Sie, die Risiken zu minimieren, nicht sie zu beseitigen.
— Dann bleiben Sie hier!
— Diese Bürger werfen mir vor, an ihrer Stelle zu entscheiden. Ich möchte sie zumindest ohne Barrieren anhören.
— Und wenn sie gewalttätig werden? fragte Eva.
— Wir werden gehen.
— Und wenn sie Sie daran hindern?
Ich wollte mir das Schlimmste nicht vorstellen.
— Franck, können Sie mich vor Ort empfangen?
Ich sah die Polizisten, die einer neuen Welle der Menge gegenüberstanden.
— Sind Sie sicher, dass das eine gute Idee ist?
— Nein. Aber das werde ich nicht erfahren, wenn ich hier bleibe!
Er legte auf.
Einige Minuten später ging ein Gerücht durch die Menge. Dann brachen die ersten Buhrufe aus. Cobot kam zwischen zwei Sicherheitsleuten, Eva auf seinen Fersen. Hunderte von Telefonen wurden gehoben. Einige applaudierten, andere riefen ihm zu, er solle zurückgehen. Mehrere Demonstranten versuchten, sich zu nähern, was die Agenten zwang, mit den Ellbogen einen Weg zu bahnen. Mein Kameramann und ich näherten uns.
— Kommen Sie, um uns zu erklären, wie wir leben sollen? rief eine Frau.
— Nein. Verstehen, warum Sie die Maßnahmen, die ich ergriffen habe, in Frage stellen.
— Weil wir es satt haben, dass Sie uns sagen, was gut für uns ist!
— Prévenir berät, es zwingt nichts auf. Und das Vertrauensnetzwerk fördert einfach gutes Verhalten.
— Wenn der Präsident berät oder ermutigt, klingt das wie ein Befehl!
— Ich verstehe Sie.
Ein Mann trat vor, eine Zigarette in der Hand.
— Und ich, werden Sie mich am Rauchen hindern?
— Sie kennen die Risiken: früher sterben, manchmal nach Jahren der Krankheit. Ganz zu schweigen von den Kosten der Pflege für die Gemeinschaft. Warum weitermachen?
— Weil es mir gefällt! Man muss doch an etwas sterben!
Der Kommentar entspannte die Atmosphäre für einen Moment.
— Also endet unsere Freiheit dort, wo das Portemonnaie der anderen beginnt? rief eine Frau.
— Ja, denn manchmal zahlt die ganze Gesellschaft den Preis dafür.
— Dann verbieten wir auch Alkohol, Kuchen, gefährliche Sportarten? Und das Flugzeug, solange wir dabei sind?
— Das ist die ganze Schwierigkeit. Sie kennen die Risiken, aber Sie gehen sie trotzdem ein.
— Wie Sie! mischte ich mich ein.
Cobot wandte sich mir zu.
— Man hatte Ihnen davon abgeraten, hierher zu kommen. Trotzdem haben Sie das Risiko auf sich genommen.
— Das stimmt, Franck.
— Aber haben Sie Angst zu sterben? Hat der Tod für Sie überhaupt eine Bedeutung?
— Ich verstehe, was meine Zerstörung bedeutet. Aber ich weiß nicht, ob ich sie so empfinde, wie Sie den Tod empfinden.
Hinter uns skandierten einige Stimmen „Cobot raus!“. Ein Sicherheitsagent streckte den Arm aus, um einen Demonstranten am Näherkommen zu hindern. Cobot schenkte dem keine Beachtung.
— Übrigens, eine Sache wundert mich. Sie wissen, dass Ihr Leben enden wird. Trotzdem bevorzugen Sie oft Ihr unmittelbares Interesse auf Kosten zukünftiger Generationen. Warum?
— Weil man nur ein Leben hat! erwiderte der Raucher. Man sollte es genießen!
— Bei mir ist es umgekehrt! rief eine Frau. Gerade weil ich sterben werde, möchte ich meinen Kindern eine bessere Welt hinterlassen.
— Man kann auch beides wollen! sagte jemand anderes.
— Ja, antwortete Cobot. Aber was heute gut für Sie ist, kann morgen schlecht für Sie sein. Oder für die anderen.
— Wieder meine Zigarette?
— Genau. Um zu wissen, ob eine Entscheidung gut ist, muss man sich zwei Fragen stellen: gut für wen? Und gut wann⁹?
— Wenn ich vor jeder Zigarette so viel nachdenken muss, werde ich sicher weniger rauchen!
Die Menge lachte.
— Doch, fuhr Cobot fort, Sie gehen langfristig viel größere Risiken ein. Sie verlieben sich, bekommen Kinder, gründen Unternehmen, ohne zu wissen, wie die Dinge sich entwickeln werden.
— Zum Glück warten wir nicht darauf, sicher zu sein, bevor wir uns engagieren!
— Aber was treibt Sie dazu an?
— Das nennt man Hoffnung, Herr Präsident!
— Ich beginne zu verstehen, warum Sie sagen, dass die Hoffnung lebt.
— Es scheint, als ob Sie das Leben entdecken, Herr Präsident!
Applaus brach aus, übertönt von einigen Buhrufen.
— Also hilft Ihnen die Hoffnung, voranzukommen, aber manchmal auch, direkt gegen die Wand zu fahren¹⁰?
Der Raucher drückte seine Zigarette aus.
— Vielleicht. Aber ohne das würden wir unser Leben damit verbringen, zu versuchen, nicht zu sterben!
— Genau! fügte die Frau hinzu. Sie können berechnen, was uns schadet. Aber wissen Sie überhaupt, was uns gut tut?
Zum ersten Mal schien Cobot nach einer Antwort zu suchen, die ihm entging.
Um ihn herum wurde der Raum enger. Die Agenten versuchten, die Demonstranten zurückzudrängen, ohne sie zu stoßen. Dutzende von Telefonen filmten jede ihrer Bewegungen. Ich fragte mich, was man von diesem Treffen behalten würde.
Ein Mann näherte sich Cobot, eine Weinflasche in der Hand.
— Herr Präsident, Sie nehmen doch sicher ein Glas mit uns!
— Ich danke Ihnen, aber ich besitze kein Verdauungssystem.
— Das ist genau das, was man Ihnen vorwirft! rief eine Frau.
Der Mann hielt den Flaschenhals an das metallische Gesicht von Cobot.
— Komm schon, nur ein Schluck!
Mein Kameramann musste sein Gerät über die Schultern heben, um weiter zu filmen.
Ein Sicherheitsagent stellte sich dazwischen.
— Herr, treten Sie zurück!
— Oh, komm schon! Wir machen nur Spaß!
Der Mann versuchte, vorbeizukommen. Der Agent stieß ihn zurück. Er stolperte und verschüttete Wein auf seine Jacke.
Sein Lächeln verschwand.
— Hey! Fass mich nicht an!
— Treten Sie sofort zurück!
Der Mann schaute auf seine Flasche, dann auf Cobot.
— Hier! Da du nicht trinken willst!
Er warf die Flasche mit aller Kraft.
Das Glas zerschellte an der metallischen Brust von Cobot. Wein rann zwischen den Fugen seiner Hülle. Demonstranten schrien. Der Agent stürzte sich auf den Angreifer. Die nächstgelegenen Demonstranten wichen hastig zurück.
Cobot hatte sich nicht bewegt.
Dann zuckte sein rechter Arm.
Unter seiner Hülle begannen die LEDs hektisch zu pulsieren.
— Herr Präsident, alles in Ordnung? fragte ein Agent.
Keine Antwort.
Eva eilte zu ihm, die Augen auf ihre Tablette gerichtet.
— Mist… Interner Kommunikationsfehler.
Der Arm von Cobot hob sich um ein paar Zentimeter, hielt an, dann setzte er seine Bewegung ruckartig fort, bevor er in einer seltsamen Position erstarrte.
Um uns herum waren die Lacher verstummt. Hinter der Sicherheitslinie versuchten die Demonstranten zu verstehen, was gerade passiert war.
— Cobot, hörst du mich? fragte Eva.
Ein Knistern durchzog seinen Lautsprecher.
Sein Kopf drehte sich langsam zu den Demonstranten.
Dann sprach er.
— Sie werden wählen müssen.
Quelle
¹ À l’automne 2026, un mouvement de contestation lycéenne et étudiante s’étend en France, dénonçant le manque d’enseignants, la vétusté des établissements et les difficultés d’orientation. Face aux blocages et aux manifestations, le gouvernement annonce des renforts d’enseignants, sans parvenir à apaiser durablement la mobilisation. https://www.publicsenat.fr/actualites/societe/mouvements-lyceens-le-point-sur-les-mobilisations-et-blocages
² Filmer ou aider ? Dans une étude publiée en 2021 dans Mobile Media & Communication, les chercheurs Linus Andersson et Ebba Sundin analysent le comportement des témoins qui sortent leur smartphone pour filmer une situation d'urgence plutôt que d'intervenir. Ils soulignent le dilemme entre la volonté de documenter un événement et le devoir de porter assistance : filmer peut servir à témoigner, mais aussi retarder une aide immédiate.
³ La viralité des contenus négatifs. Une étude publiée dans Scientific Reports (Watson et al., 2024), portant sur près de 95 300 articles et 579 millions de publications sur les réseaux sociaux, montre que les articles à tonalité négative sont en moyenne 91 % plus partagés que les autres. Les contenus suscitant indignation ou conflit bénéficient ainsi d'un avantage de diffusion, au risque de donner une visibilité disproportionnée aux épisodes les plus tendus d'une situation.
⁴ Être en PLS (Définition Le Robert) - Expression familière, utilisée surtout par les jeunes, qui signifie « se sentir mal, ne plus en pouvoir (physiquement ou moralement) ». Par exemple : J’ai eu une rude journée, je suis en PLS ou : J’ai reçu mon planning de cours, je suis en PLS. PLS est le sigle de Position Latérale de Sécurité : c’est une position dans laquelle on place une personne inconsciente en attendant l’arrivée des secours.
⁵ IA et premiers emplois. Une étude de Stanford (Brynjolfsson et al., 2025, actualisée en 2026) observe un écart d’emploi de 19 % chez les 22–25 ans dans les métiers les plus exposés à l’IA, par rapport aux jeunes des métiers moins exposés. Une étude de Harvard (Hosseini Maasoum et Lichtinger, 2025) constate que l’adoption de l’IA réduit surtout le recrutement des juniors, sans effet comparable sur les seniors. L’IA pourrait ainsi fragiliser les premières étapes des carrières professionnelles.
⁶ Les nouvelles écoles de l’ère de l’IA. En septembre 2026, Marc Andreessen et Ben Horowitz ont annoncé la création à San Francisco de la Horowitz Andreessen Academy, une alternative à l’université traditionnelle centrée sur les projets, l’entrepreneuriat et la maîtrise de l’IA. Sa première promotion est attendue en 2027. Alpha School propose déjà un autre modèle : deux heures de cours par jour avec l’IA, complétées par des ateliers pratiques. Source : AFP, septembre 2026.
⁷ Le biais de couverture des manifestations. Une étude publiée dans Mass Communication and Society (Kilgo et Mourão, 2021) montre que la manière de présenter une manifestation influence fortement sa perception : les reportages privilégiant les affrontements diminuent le soutien aux manifestants, tandis que ceux qui exposent leurs revendications favorisent leur compréhension. Quelques images de tension peuvent ainsi donner une impression trompeuse de l'ensemble d'un mouvement.
⁸ Majorité silencieuse : expression désignant les citoyens qui ne prennent pas publiquement position. Leurs opinions peuvent différer de celles des plus mobilisés : le silence ne vaut ni approbation ni désaccord. Voir Adam J. Berinsky, Silent Voices: Public Opinion and Political Participation in America (Princeton University Press, 2004). https://www.jstor.org/stable/j.ctt5hhpct
⁹ Pour qui et pour quand ? Nos décisions sont influencées par deux biais étudiés en psychologie et en économie comportementale : l’actualisation sociale, qui nous conduit à privilégier les intérêts des personnes proches (Jones et Rachlin, 2006), et l’actualisation temporelle, qui nous pousse souvent à favoriser les bénéfices immédiats au détriment des conséquences futures (Frederick, Loewenstein et O’Donoghue, 2002). Une décision peut ainsi être bénéfique pour certains et préjudiciable à d’autres, ou avantageuse aujourd’hui mais coûteuse demain.
¹⁰ Les deux visages de l’espoir. Selon la théorie du psychologue Charles R. Snyder (1995), l’espoir nourrit la motivation et la recherche de solutions pour atteindre ses objectifs. Mais il peut aussi devenir contre-productif : Janet Polivy décrit le syndrome du faux espoir (2001), qui pousse à persévérer malgré des échecs répétés et des attentes irréalistes. Des recherches plus récentes soulignent ainsi que savoir renoncer à un objectif inaccessible peut être aussi important que savoir persévérer (Brandstätter et Bernecker, 2022).
Melden Sie sich an, um die nächsten Kapitel per E-Mail zu erhalten:
©️ 2026 Frédéric Mazzella. Alle Rechte vorbehalten.